Regen oder Leitungswasser: Wer trinkt was?
Die 15.000 Liter setzen sich in der Forschung aus zwei relevanten Wasserarten zusammen: „Grünes Wasser“ ist Regenwasser, das ohnehin auf Weiden und Feldern fällt. „Blaues Wasser“ wird aktiv aus Grund- und Oberflächenwasser entnommen. „Blau“ ist also die Menge, die wirklich zählt. Über 90 Prozent der Liter beim Rind sind „grün“, also Regen, der sowieso vom Himmel gekommen wäre. In Deutschland liegt der blaue Anteil für ein Kilo Rindfleisch bei etwa 500 Litern.
Zum Vergleich: Was andere Lebensmittel trinken
Avocados aus Chile oder Mexiko verbrauchen in wasserarmen Regionen über 700 Liter blaues Wasser pro Kilo – manchmal sogar mehr als 1.000 Liter. Trauben und Zitrusfrüchte aus Südeuropa liegen immerhin noch bei rund 200 „blauen“ Litern. Das heißt nicht: Avocados sind schlecht, Rindfleisch ist gut. Es heißt: Wasserverbrauch ist regional unterschiedlich, und nichts ist per se perfekt. Ein Rindersteak aus Deutschland hat eine andere Wasserbilanz als eines aus Kalifornien. Eine Avocado aus Spanien eine andere als eine aus Chile. Wasserverbrauch ist zutiefst regional und globale Durchschnittswerte, die oft die Basis für die Schlagzeilen machenden Liter-Zahlen von Fleisch bilden, verschleiern am Ende mehr, als sie erklären.
Was wirklich zählt
Die 15.000 Liter sind kein Mythos, aber sie sagen wenig über die tatsächliche Belastung der Natur aus. Viel wichtiger ist die Frage: Woher kommt das Futter und wie viel Grundwasser wurde dafür genutzt? Beim Rindfleisch aus Deutschland ist die Antwort oft entspannter als gedacht. Bei vielen importierten tierischen und auch pflanzlichen Lebensmitteln manchmal eher nicht.
Übrigens: richtig wassersparend sind heimische Kartoffeln. Sie brauchen nur 10 bis 40 Liter blaues Wasser pro Kilo und trinken fast ausschließlich Regenwasser. Kartoffeln passen perfekt zur Rinderroulade und machen mengenmäßig meist den größten Teil auf dem Teller aus. Die Wasserbilanz des ganzen Tellers sieht dann noch einmal deutlich freundlicher aus, als es die große Zahl am Anfang vermuten ließ.