Ein Name, der alles erklärt
Döner kommt vom türkischen Verb dönmek, was soviel wie drehen heißt. Der Name ist das Prinzip. Fleisch wird auf einen vertikalen Spieß gesteckt, dreht sich langsam vor der Hitzequelle, und von außen nach innen wird abgetragen was gar und gegrillt ist. Die Technik ist alt, die Idee einfach, das Ergebnis am Ende, knusprig, saftig und voller Aromen. Die Wurzeln des Döners reichen bis zu den nomadischen Seldschuken des 11. Jahrhunderts, deren Ernährungsgrundlage die Produkte ihrer Schafherden waren. Im 19. Jahrhundert taucht der Döner in europäischen Reiseberichten über Anatolien auf, damals als exotisches Phänomen das Reisende staunend beobachteten. Einziger Unterscheid zu heute: er wurde mit Reis serviert, nicht im Brot.
Charlottenburg, Kreuzberg, Berlin
Dass der Döner als Street Food im Fladenbrot eine Berliner Erfindung ist, klingt zunächst überraschend. Aber der Soziologe Eberhard Seidel, der fast 35 Jahren zur Geschichte des Döners geforscht hat, ist überzeugt: Der Döner so wie ihn Deutschland kennt (Fleisch, Salat, Soße, Brot) ist eine Berliner Kreation. Entstanden aus dem Zusammenspiel türkischer Einwanderer und dem Berlin der 70er Jahre. Kadir Nurman gilt als einer der Väter dieser Erfindung. 1972 verkaufte er am Bahnhof Zoo in Charlottenburg einen der ersten Döner im Brot. Damals als eine Reaktion auf veränderte Essgewohnheiten in der Großstadt, auf Menschen die wenig Zeit und wenig Geld hatten. Von Charlottenburg aus verbreitete sich der Döner vor allem in den Bezirk Kreuzberg, wo türkische Gastarbeiter, Studenten und Leute mit schmalem Portemonnaie aufeinandertrafen und die Dönerbude zur Anlaufstelle der Stunde wurde. Was folgte war kein Marketingplan sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Arbeitslosigkeit stieg. Ein Berliner Gesetz von 1981 erhöhte den Druck. Wer seinen Lebensunterhalt nicht nachweisen konnte, riskierte Ausweisung. Hunderte Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation eröffneten Dönerbuden und erschufen dabei, wie Seidel es nennt, eine besondere Mischung: „Er war nicht mehr türkisch und er war nicht deutsch, er war etwas Hybrides.“ Und aus diesen Buden wurde mehr als Fast Food. Seidel beschreibt es so: „Nicht in den Volkshochschulkursen und an den Stätten der Hochkultur, sondern an der Imbissbude kamen Hans und Mustafa ins Gespräch, reiften die Pläne für die erste Türkeireise, wurden die ersten Worte Türkisch gelernt.“
Döner trifft Currywurst. Berlin trifft sich. Frank von „Curry & Chili“ und Basil und Evin von „Mr. Grill“ setzen sich an einen Tisch und reden ehrlich: über Handwerk, Herkunft und die Frage, welches Gericht heute eigentlich das wahre Berliner Wahrzeichen ist. Ein Gespräch über Stolz, Respekt und was gutes Essen über eine Stadt verrät.
550 Tonnen täglich
Heute gibt es in Deutschland über 18.000 Dönerläden. Berlin ist mit über 1.600 Verkaufsstellen die Döner-Metropole der Welt. Der tägliche Konsum in Deutschland liegt bei etwa 550 Tonnen. Der Jahresumsatz der Dönerbranche in Deutschland beträgt rund sieben Milliarden Euro. Das ist mehr als die zehn größten Systemgastronomien zusammen, von Burger King über Nordsee bis McDonald’s. Und der Döner entwickelt sich weiter. Döner-Pionier Kadir Nurman hatte eine klare Haltung: „Wenn das Fleisch gut ist, braucht man keine Tomaten oder Gewürze.“ Heute würde er staunen. Fußballstar Lukas Podolski betreibt seine eigene
Döner-Kette: vegane Varianten stehen dort inzwischen neben dem Klassiker aus Rind. Im Berliner Adlon kostet die Luxusvariante 37 Euro mit Kalbsrücken und Trüffelcreme. Dass das Gericht 170 Jahre nach Robertsons Fotografie in Istanbul heute 60.000 Arbeitsplätze in Deutschland sichert und aus keiner deutschen Stadt wegzudenken ist, hätte damals sicher niemand vorhergesehen. Manche guten Ideen brauchen eben etwas Zeit und den richtigen Ort.

Das erste bekannte Foto eines Döners 1855 fotografiert vom britischen Fotograf James Robertson
Quelle: Wikipedia – https://de.wikipedia.org/wiki/