Von Peking bis Pamplona – eine Weltreise auf dem Teller
IWer verstehen will, wie eng Essen und Kulturgeschichte miteinander verflochten sind, muss nur dem Schwein folgen. In China gilt es seit Jahrtausenden als Symbol für Wohlstand und Glück. Das chinesische Neujahrsessen ohne geschmorten Schweinebauch oder die mit Hack und Kohl gefüllten Teigtaschen ist für viele Familien schlicht undenkbar. In Spanien hat die Matanza, das traditionelle Schlachtfest, ganze Dorfgemeinschaften über Generationen zusammengehalten. Jedes Teil vom Tier wurde verwertet, jede Familie hatte ihre eigene Chorizo-Rezeptur, jede Region ihren eigenen Jamón. Auch in Deutschland bringen Schlachtfeste und Wurstkessel in vielen Regionen bis heute Familien und ganze Dörfer zusammen. In Japan ist das Schwein der Kern von Tonkatsu, dem knusprig panierten Schnitzel, und von Kakuni, dem zart geschmorten Schweinebauch, der heute als klassisches Ramen-Topping gilt. Seine Reise nach Japan begann übrigens in Nagasaki, wo chinesische Seefahrer eine frühe Form des Gerichts an Land brachten.
Ramen, Schweinebauch und 16 Stunden Brühe: Nam, Berlins „Ramen-Prinz“, und Food-Junkie Baran zeigen, was echte Tonkotsu-Qualität bedeutet – und warum ein gemeinsames Mahl das sozialste Event überhaupt ist. 👉
Was alle gemeinsam haben
So unterschiedlich diese Küchen sind, in einem Punkt ähneln sie sich: Das Schwein war fast nie ein Luxusgut. Es war Alltagstier, Vorratshaltung, Festessen. Schweinefleisch war das Essen derer, die wenig hatten und wurde trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, zur Grundlage einiger der leckersten Küchen der Welt. Genau diese Bodenständigkeit macht es zum globalen Küchen-Demokraten. Heute erleben viele dieser Traditionen eine Renaissance. Auf Foodmärkten in Berlin, London oder Tokio stehen Pulled-Pork-Burger neben Bánh Mì und Bao Buns. Allen gemeinsam: Schwein im Herzen. Was früher regionale Identität war, ist heute globales Streetfood. Das Schwein hat Grenzen nie besonders ernst genommen.