{Land unter} bei den Liter-Zahlen

Warum Rindersteak kein Wasser-Killer sein muss
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{Land unter} bei den Liter-Zahlen
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{Land unter} bei den Liter-Zahlen
Nüsse kaufen, Schnitzel meiden – so lautet das Nachhaltigkeits-Bauchgefühl vieler. Beim Grundwasserverbrauch dreht sich dieses Bild allerdings gründlich um. Wenn von „6.000 Litern Wasser pro Kilo Schweinefleisch" die Rede ist, klingt das dramatisch. Aber: Rund 82 Prozent davon ist Regenwasser, das ohnehin auf die Futterfelder fällt. In der Forschung heißt das „grünes Wasser". Wirklich knapp und wertvoll ist das „blaue Wasser“, also Grund- und Leitungswasser, das aktiv entnommen werden muss. Und genau da schlägt das Schnitzel die Nuss: um 84,5 Prozent.

Regen oder Leitungswasser: Wer trinkt was?

Die 15.000 Liter setzen sich in der Forschung aus zwei relevanten Wasserarten zusammen: „Grünes Wasser“ ist Regenwasser, das ohnehin auf Weiden und Feldern fällt. „Blaues Wasser“ wird aktiv aus Grund- und Oberflächenwasser entnommen. „Blau“ ist also die Menge, die wirklich zählt. Über 90 Prozent der Liter beim Rind sind „grün“, also Regen, der sowieso vom Himmel gekommen wäre. In Deutschland liegt der blaue Anteil für ein Kilo Rindfleisch bei etwa 500 Litern.

Zum Vergleich: Was andere Lebensmittel trinken

Avocados aus Chile oder Mexiko verbrauchen in wasserarmen Regionen über 700 Liter blaues Wasser pro Kilo – manchmal sogar mehr als 1.000 Liter. Trauben und Zitrusfrüchte aus Südeuropa liegen immerhin noch bei rund 200 „blauen“ Litern. Das heißt nicht: Avocados sind schlecht, Rindfleisch ist gut. Es heißt: Wasserverbrauch ist regional unterschiedlich, und nichts ist per se perfekt. Ein Rindersteak aus Deutschland hat eine andere Wasserbilanz als eines aus Kalifornien. Eine Avocado aus Spanien eine andere als eine aus Chile. Wasserverbrauch ist zutiefst regional und globale Durchschnittswerte, die oft die Basis für die Schlagzeilen machenden Liter-Zahlen von Fleisch bilden, verschleiern am Ende mehr, als sie erklären.

Was wirklich zählt

Die 15.000 Liter sind kein Mythos, aber sie sagen wenig über die tatsächliche Belastung der Natur aus. Viel wichtiger ist die Frage: Woher kommt das Futter und wie viel Grundwasser wurde dafür genutzt? Beim Rindfleisch aus Deutschland ist die Antwort oft entspannter als gedacht. Bei vielen importierten tierischen und auch pflanzlichen Lebensmitteln manchmal eher nicht.

Übrigens: richtig wassersparend sind heimische Kartoffeln. Sie brauchen nur 10 bis 40 Liter blaues Wasser pro Kilo und trinken fast ausschließlich Regenwasser. Kartoffeln passen perfekt zur Rinderroulade und machen mengenmäßig meist den größten Teil auf dem Teller aus. Die Wasserbilanz des ganzen Tellers sieht dann noch einmal deutlich freundlicher aus, als es die große Zahl am Anfang vermuten ließ.

Stand:

Du willst es ganz genau wissen?

Mekonnen, M., & Hoekstra, A. (2012). A Global Assessment of the Water Footprint of Farm Animal Products. Ecosystems, 15, 401-415. https://doi.org/10.1007/s10021-011-9517-8.

Leng, G., & Hall, J. (2020). Where is the Planetary Boundary for freshwater being exceeded because of livestock farming?. The Science of the Total Environment, 760. https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2020.144035.

Anne, H., Elisabeth, V., De, V., Ido, T., Van De, K., & Maria, T. (2021). The Global Blue Water Use for the Dutch Diet and Associated Environmental Impact on Water Scarcity. World Journal of Food Science and Technology. https://doi.org/10.11648/j.wjfst.20210501.13.

Gómez-Tagle, A., Gómez-Tagle, A., Fuerte-Velázquez, D., Barajas-Alcalá, A., Quiroz-Rivera, F., Alarcón-Chaires, P., & Guerrero-García-Rojas, H. (2022). Blue and Green Water Footprint of Agro-Industrial Avocado Production in Central Mexico. Sustainability. https://doi.org/10.3390/su14159664.

Caro, D., Alessandrini, A., Sporchia, F., & Borghesi, S. (2020). Global virtual water trade of avocado. Journal of Cleaner Production, 124917. https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2020.124917.

Gobin, A., Kersebaum, K., Eitzinger, J., Trnka, M., Hlavinka, P., Takáč, J., Kroes, J., Ventrella, D., Marta, A., Deelstra, J., Lalić, B., Nejedlík, P., Orlandini, S., Peltonen-Sainio, P., Rajala, A., Saue, T., Şaylan, L., Stričević, R., Vučetič, V., & Zoumides, C. (2017). Variability in the water footprint of arable crop production across European regions. Water, 9, 93. https://doi.org/10.3390/w9020093.

Hinweis:

Als Initiative Fleisch ist es unser Anliegen, fundiertes Wissen rund um Fleisch transparent und differenziert darzustellen. Die hier dargestellten Studienergebnisse dienen der Einordnung und Information. Sie erlauben keine pauschalen Aussagen über einzelne Lebensmittel oder deren direkte gesundheitliche Wirkung. Unser Ziel ist es eine sachliche, ausgewogene und faktenbasierte Auseinandersetzung zum Thema Fleisch zu ermöglichen.

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